Warum gibt es eine LTE Drosselung?

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Die Drosselung von mobilen Datenflatrates ist ein Reizthema, das auch in Zeiten von LTE nicht vom Tisch ist. Tatsächlich gibt es derzeit keinen LTE-Tarif, der ohne Drosselung auskommt. Mancher Nutzer sieht das als Mittel der Provider, die Kunden zu drangsalieren und höhere Gebühren einzufordern. Tatsächlich steckt allerdings mehr dahinter.

Irreführende Begrifflichkeit?

Das Wort Flatrate verbinden viele Kunden mit einer uneingeschränkten Nutzbarkeit, sprich dauerhaft hohen Bandbreiten, die nicht davon abhängig sind, wie intensiv der Anschluss tatsächlich genutzt wird. Diese Sicht resultiert aus dem Begriffsgebrauch im DSL-Geschäft, wo solche Einschränkungen tatsächlich unüblich sind. Im Mobilfunkbereich ist dies allerdings seit jeher anders. Hier werden Flatrates schon immer gedrosselt, sobald eine vertraglich festgelegte Volumengrenze erreicht wird.

Da die Nutzung auch nach der Beschneidung der Bandbreite möglich ist, widerspricht diese Praxis dem Flatrate-Gedanken nicht grundsätzlich. Da sich aber viele beliebte Dienste nach der Drosselung kaum noch nutzen lassen, sorgt das dennoch für Ärger. Die Frage ist: Warum werden LTE und andere mobile Datendienste gedrosselt, wenn die Provider so den Zorn der Kunden auf sich ziehen?

Schwer kalkulierbare Netzauslastung

Zum einen hofft die Branche natürlich darauf, dass Kunden, die ständig an der Volumengrenze kratzen, in einen teureren Tarif umsteigen, um ohne Probleme surfen zu können. Zum anderen ist die LTE Drosselung aber auch ein Mittel, um die Netzstabilität zu gewährleisten und den Nutzern gleichzeitig ein möglichst flüssiges Surferlebnis zu ermöglichen.

Dabei gibt es zwei Probleme: Das erste ist, dass sich alle Nutzer die von der LTE-Basisstation bereitgestellte Bandbreite teilen müssen. Sind insgesamt 100 MBit/s möglich und zehn Nutzer verbunden, stehen jedem 10 MBit/s zur Verfügung. Verdoppelt sich die Nutzerzahl, sinkt die Bandbreite auf nur noch 5 MBit/s, sofern alle die volle Kapazität ihres Anschlusses ausschöpfen. Steigt die Zahl der verbundenen Nutzer weiter, sinkt auch die maximal mögliche Bandbreite.

Das zweite Problem ist die Vorhersage der tatsächlichen Nutzerzahl. Anders als bei DSL, wo nur eine feste Anzahl an Kunden an einem Verteiler hängt, kann diese im Fall von LTE dramatisch schwanken, da Nutzer unvorhersehbar zwischen Funkzellen (und damit Basisstationen) hin und herwechseln können. Loggen sich plötzlich unerwartet viele Kunden ein, bricht die Geschwindigkeit für alle zusammen. Im schlimmsten Fall kann dies sogar zum Netzversagen führen, wie man es beispielsweise regelmäßig zu Silvester beobachtet. Um diese Gefahr zu vermindern, werden besonders aktive Anschlüsse vertraglich gedrosselt. Dadurch kann verhindert werden, dass diese Nutzer permanent einen großen Teil der vorhandenen Kapazitäten für sich beanspruchen, wodurch wiederum die Chance steigt, dass auch dann noch genug Bandbreite für alle vorhanden ist, wenn einmal mehr Nutzer als erwartet über die gleiche Basisstation surfen.

Ende der LTE Drosselung in Sicht?

Mittlerweile gibt es Bestrebungen von Verbraucherschützern, mit rechtlichen Mitteln gegen die LTE Drosselung und mobilen Flats generell vorzugehen. Die Erfolgsaussichten sind dabei aber fraglich. Von einem Urteil des Landgerichts Köln, das die Drosselung von Flatrates im DSL-Bereich untersagt, wurden Mobilfunkanschlüsse ausdrücklich ausgenommen. Eine Lösung des Problems durch steigende Kapazitäten der Mobilfunknetze ist vorerst ebenfalls nicht zu erwarten, da die Ansprüche neuer Internetdienste stetig steigen und somit höhere Bandbreiten benötigt werden. Das Ende der gedrosselten LTE-Flatrate ist deshalb zumindest mittelfristig unwahrscheinlich.

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